Anwohner der Michelangelostraße bleiben skeptisch

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Künftige Parkplatzsituation, gewollte Verdichtung, geplante Eigentumswohnungen, verrottender Mühlenkiez – die Anwohner der Michelangelostraße waren bei der gemeinsamen Sondersitzung von Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss im BVV-Saal an der Fröbelstraße vom Neubaukonzept, das Senat und Bezirksamt für ihren Kiez entwickeln ließen, nicht zu überzeugen.

 
04aNachdem das Thema Neubauplanung an der Michelangelo-
straße Mitte Februar von der Tagesordnung des Stadtentwick-
lungsausschusses genommen wurde, weil rund dreihundert Anwohner des Michelangelo-Kiezes Einlass in den höchsten 40 Menschen fassenden Sitzungsraum begehrten, wurde die Vorstellung des Vorhabens nun knapp vier Wochen später im großen Saal der Bezirksverordnetenversammlung nachgeholt.

Rund 250 Anwohner waren auch diesmal wieder erschienen, die Stimmung war gereizt. Die Ausführungen von Architekt Frank Görge wurden zuweilen durch Zwischenrufe und Gelächter unterbrochen – etwa, wenn er die Vorzüge der von ihm angedachten Neubauten beschrieb: Tiefgaragen, direkter Zugang aus den Erdgeschosswohnungen zu den vor den Häusern gelegenen Gärten oder Schallschutz für die vorhandenen Bauten durch die vorgesehene Blockrandbebauung auf der Nordseite der Michelangelostraße.

29a„Disneyland“ nannte ein Anwohner den Siegerentwurf des „Städtebaulichen Wettbewerbs“, ein anderer verwies auf „700 Bäume, dreißig bis fünfzig Jahre alt“, die dem Bauvorhaben im Wege stehen. Auch dass eine große Anzahl von Parkplätzen dem Bauvorhaben zum Opfer fallen sollen, erregte Unmut. Ebenso die Sorge, dass die Neubauten Einfluss auf die Mietpreisentwicklung im Kiez haben werden.
Es sei alles noch im Fluss, versuchte Bezirksstadtrat Jens- Holger Kirchner die Bedenken zu zerstreuen. Der Planungs-
entwurf sei erst der Anfang des Prozesses und nicht das Ende. So werde man eine vertiefende Untersuchung darüber vornehmen, wieviel Parkfläche tatsächlich von den Anwohnern benötigt werde. Seiner Erfahrung nach werden die Parkplätze an der Michelangelostraße nicht selten auch von LKWs oder Wohnmobilen belegt, die nicht den Anwohnern zuzurechnen seien. Über die Bäume äußerte er sich nicht.

 

Überraschung: „Der gesamte Mühlenkiez ist verwahrlost“

34a Auch mögliche negative Auswirkungen auf das bisher noch niedrige Mietpreisniveau im Michelangeloviertel konnte der Bezirksstadtrat nicht erkennen: Der Großteil der Wohnungen soll durch städtische Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften errichtet werden, was garantiere, dass zumindest „langfristig bezahlbarer Wohnraum entsteht“ – auch wenn die Mieten dort erst einmal über jene in den bestehen-
den Häusern liegen werden.
Allerdings sei auch ein Anteil an Eigentumswohnungen vorgesehen, was jedoch nichts mit Gentrifizierung zu tun hätte, sondern mit einer „ausgewogenen Mischung“. Was ein wenig so klang, als gäbe es in Prenzlauer Berg zu wenig Eigentumswohnungen – so dass dieses Defizit im Michelangelokiez gleich von vornherein vermieden werden sollte… .

30aAuch sehr schön: Erst durch Hinweise aus der Bevölkerung, so Bezirksstadtrat Kirchner, sei man darauf gekommen, dass es – bei immerhin mehr als 1.600 geplanten Wohneinheiten – vielleicht auch neuer Einrichtungen der Nahversorgung bedarf.

Wirklich bizarr wurde es, als eine Anwohnerin auf den Widerspruch hinwies, dass einerseits ein großes Neubauprojekt geplant werde, andererseits jedoch der benachbarte Mühlenkiez mehr und mehr verkomme.

„Sie haben völlig Recht“, antwortete Kirchner, „der gesamte Mühlenkiez und auch die Schulen dort sind verwahrlost.“ Und weiter: „Erst durch den städtebaulichen Wettbewerb Michelangelostraße ist der Blick geschärft worden für den Mühlenkiez.“ Das klang so, als wären all die Berichte, Anträge, Hilferufe etc., die es in den vergangenen Jahren in Bezug auf dieses Wohngebiet gegeben hatte, irgendwo in den Weiten der Bezirksverwaltung verloren gegangen; als hätten sowohl der Stadtrat noch die Bezirksverordneten nie einen Fuß in das Plattenbauviertel hinterm Mühlencenter gesetzt… .
Er „glaube schon“, fuhr der Bezirksstadtrat fort, dass es künftig möglich sei, „dort Städtebauförderungsmittel hineinzugeben – zum Beispiel für die Schulsanierung, die Sanierung der Sport- und Bolzplätze, aber auch für die Wiederherstellung von Wegen und des öffentlichen Raums.“

 

Alles erst noch am Anfang

Abschließend betonte Stadtrat Kirchner noch einmal, dass der vorgestellte Siegerentwurf erst der Anfang des Planungsprozesses darstellt. Neben der Frage der Parkplätze werde es Erhebungen zur Umweltvorsorge geben, die die ökologischen Folgen des Bauvorhabens sichtbar machen sollen.

28b Darüber hinaus müssen der Bedarf an sozialer Infrastruktur wie zum Beispiel Kindergärten und Spielplätze ermittelt und Grundstücksfragen geklärt werden. Daneben sei die aktuelle technische Infrastruktur (Wasser- und Abwasserversorgung, Energie- und Telekommunikationsleitungen) zu ermitteln und mit den Leitungsbetreibern über die erforderlichen Erweiterungen zu verhandeln…
Erst wenn das alles abgeklärt ist, könne ein Bauplanverfahren in die Wege geleitet werden. Daher sei vor 2019 mit einem Baubeginn nicht zu rechnen.
 

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Kommentar zu “Anwohner der Michelangelostraße bleiben skeptisch”

  1. Stefan Schneider

    Mrz 12. 2015

    Interessant. Verwahrlost sind immer die anderen.

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