
Die kommunale Pankower Musikschule Béla Bartók zählt zu den erfolgreichsten der Stadt. In manchen Bereichen existieren Wartelisten, weil die Nachfrage größer ist, als das Angebot. Zudem kann die Schule auf Spitzenleistungen ihrer Schüler verweisen – zum Beispiel auf Preisträger der Landes- und Bundeswettbewerbe von “Jugend musiziert”.
Gute Arbeit also.
Aber wie das so ist: Fürs Arbeiten benötigt man Werkzeuge. Beziehungsweise Instrumente. Und damit sieht es in der Pankower Musikschule mau aus. Sehr mau, wie der für Kultur zuständige Bezirksstadtrat Torsten Kühne auf eine “Kleine Anfrage” des Bezirksverordneten Matthias Zarbock (Linksfraktion) konstatieren musste.
Während eine Blockflöte oder eine Gitarre von den Schülern – beziehungsweise deren Eltern – meist selbst gekauft wird, übersteigt der Preis einer qualitativ anspruchsvollen Violine nicht selten das Budget einer Durchschnittsfamilie. Auch die Körpergröße spielt zuweilen eine Rolle – man aus manchen Instrumenten tatsächlich herauswachsen. Darüber hinaus: Bei vielen Kindern und Jugendlichen ist es ja noch gar nicht sicher, ob sie eines Tages nicht vielleicht doch von der Viola aufs Schlagzeug umsteigen wollen… .
Reif fürs Museum – oder fürs Recycling
Deshalb halten Musikschulen hochwertige Instrumente vor, um sie an ihre Schüler auszuleihen. Doch wie jedes Werkzeug, so unterliegen eben auch Musikinstrumente einer gewissen Abnutzung. Und je älter sie werden, desto teurer sind die Reparaturen.
In Pankow sind sie mittlerweile sehr teuer.
Denn der Instrumentenbestand der Musikschule, so Kühne weiter, ist vollkommen überaltert. 70 % der Instrumente sind älter als 35 Jahre und können wegen zu großer Mängel nicht ausgeliehen werden. Die notwendigen Reparaturen sind daher zumeist sehr kostenintensiv und können aus den verfügbaren Sachmitteln nicht bestritten werden. Neuanschaffungen wären da die bessere Investition.
So hat hat die Pankower Musikschule gegenwärtig nur 429 Instrumente an ihre Schüler ausgeliehen. Rund 800 Instrumente, so Stadtrat Torsten Kühne, müssten jedoch insgesamt in einem verleihbaren Zustand vorgehalten werden, um einen fachlich vertretbaren Wechsel der Instrumente für heranwachsende Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten – und darüber hinaus auch den Zustand der Instrumente längerfristig erhalten zu können. Derzeit sind die Wartezeiten auf ein größeres Instrument aber kaum steuerbar, geeignete Instrumente gehen oft nahtlos von einem Leihnehmer zum nächsten über.
Ein Klavier, ein Klavier…
Nun sieht man ja zuweilen schon Zehn- oder Elfjährige einen Kontrabass durch die Straßen wuchten. Es gibt aber Musikinstrumente, die für die tägliche Mitnahme in die Musikschule nun wirklich ungeeignet sind. Juniors Bitte „Mutti, pack mal schon den Flügel ein, ich hab nachher noch Klavierstunde“ würde schon aus rein praktischen Gründen kein Gehör finden können.
Deshalb gehören Pianos aller Arten und Größe zur Grundausstattung einer jeden musikalischen Bildungseinrichtung.
Doch die meisten Klaviere und Flügel der Pankower Musikschule stammen laut Torsten Kühne noch aus DDR-Zeiten oder sind noch älter. Zwar genossen die Hersteller der DDR international einen guten Ruf – einen so guten, dass sich nicht wenige im Osten auftretende West-Musiker ihre Auftritte vom ewig devisenklammen Arbeiter- und Bauernstaat statt mit D-Mark oder Dollar mit ostdeutschen Tasteninstrumenten honorieren ließen. Doch jene Instrumente, die an Musikschulen und Kultureinrichtungen vergeben wurden, waren von einer Qualität, die nicht für den Export oder den Handel geeignet schien.
Nun haben Klaviere und Flügel zwar in der Regel eine recht lange Lebensdauer. In Musikschulen, Hochschulen und Konzerthäusern werden sie jedoch täglich viele Stunden gespielt, was zu einem starken Verschleiß der Mechanik führt.
Der Aufwand fürs Stimmen und für kleinere Reparaturen wird mit den Jahren immer größer. Und wenn auch in den vergangenen zwanzig Jahren einige neue Instrumente angeschafft werden konnten, steigt auf der anderen Seite der Sanierungsstau bei Altinstrumenten stetig an. Allein für die auf ein vertretbares Maß reduzierten Stimmungen der Klaviere und Flügel, so Bezirksstadtrat Kühne, müssen pro Jahr mindestens 12.000 Euro vorgehalten werden.
Die Ausstattung mit Konzertflügeln konnte für drei der sechs Vortragsräume in den letzten Jahren verbessert werden. Für die anderen drei gibt es bisher noch keine fachgerechte Lösung.
Was sind uns unsere Kinder wert?
Wohl auch, weil in diesem Jahr der bezirkliche Doppelhaushalt für 2015/2016 aufgestellt wird, hat Stadtrat Torsten Kühne mal eine Rechnung aufgemacht.
Um die Musikschule wieder in die Lage zu versetzen, qualitativ angemessene Instrumente in ausreichender Zahl zu verleihen, werden für die kommenden zwei Jahre 249.000 Euro benötigt – dass sind 90.000 Euro mehr, als im gegenwärtigen Doppelhaushalt dafür vorhanden sind.
Für die fachgerechte Ausstattung mit Klavieren und Flügeln wären Investitionen in Höhe von 387.000 Euro vonnöten. Summa summarum besteht also für die fach- und bedarfsgerechte Ausstattung der Musikschule mit Leih- und Unterrichts- und Vortragsinstrumenten ein Investitionsbedarf von 636.000 Euro.
Spätestens ab Herbst werden die Bezirkverordneten über den Haushaltsplan der nächsten zwei Jahre verhandeln. Man wird sehen, ob ihnen die musische (Aus-)Bildung der Kinder so viel wert ist.
Foto: „Artemisia tridentata wyomingensis (5042178398)“ by Matt Lavin from Bozeman, Montana, USA – Artemisia tridentata wyomingensisUploaded by Tim1357. Licensed under CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons.




Sven Rude via Facebook
Apr. 07. 2015
wegen den Wartelisten muss man sich doch nicht wundern…, festangestellte Lehrer hat man abgebaut ( in den Stellenpool geschickt), neue Lehrkräfte werden nicht eingestellt.