Bürgerversammlung Michelangelostraße:Tausendmal NEIN

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Gleich die erste Anwohnerin, die ans Mikrofon trat, brachte die Stimmung der rund 1.100 Anwesenden auf den Punkt: Die von Senat und Bezirksamt vorgestellten Vorhaben sei nicht akzeptabel. Weder in planerischer noch in ökologischer Hinsicht. Auch missachte das Vorgehen von Senat und Bezirk den Genossenschaftsgedanken: „Denn wir sind nicht nur Mieter, wir sind auch Eigentümer! Deshalb ein ‚Nein!‘ zu den Planungen!“ Über tausend Hände hoben daraufhin einen Bapierbogen mit einem großen NEIN in die Höhe. Die zuvor von der Bürgerinitiative „Bauvorhaben Michelangelostraße verhindern!“ verteilten Minitransparente kamen an diesem Abend noch mehrfach zum Einsatz.
 
001Über fünfzig Anwohner des Michelangelo-Kiezes meldeten sich in der vollbesetzten Gethsemanekirche zu Wort.
Die Kritik der Anwohner reichte von ihrer Meinung nach zu engen Nachverdichtung, über den ungenügend beachteten Bedarf an Parkplätzen bis hin zu dem Unverständnis darüber, dass gerade ein grüner Stadtrat – Jens-Holger Kirchner – die Bebauung nicht unerheblicher Grünflächen gutheißt.
Als Senatsbaudirektorin Regula Lüscher all die Personen und Institutionen aufzählte, die am Städtebaulichen Wettbewerb, in dem der umstrittene Entwurf des Hamburger Architekten Frank Görge als Sieger gekürt wurde, als Juroren beteiligt waren, rief ein Anwohner aus der Tiefe des Kirchenraums: „Und von den Anwohnern keiner?“

02„Wenn die mir da so’n Klops vors Fenster stellen, wohne ich ja wieder auf’m Hinterhof“, monierte eine andere Anwohnerin. Von Kind an habe sie in einem Hinterhof gewohnt, bis sie dann 1984 endlich in die AWG (Arbeiterwohnungsgenos-
senschaft – ODK) aufgenommen wurde und ihre helle, 54 Quadratmeter große Wohnung beziehen konnte. „Dafür“, so die Genossenschafterin, „habe ich auch hart arbeiten müssen.“
Denn in der DDR konnte man sich nur selten in eine Genos-
senschaft einkaufen. Bedingung für die – oft nur mit langem Warten verbundene – Aufnahme in die Genossenschaft war damals neben des Einzahlens eines gewissen Betrages auch die Ableistung von Arbeitsstunden – nicht selten an dem Bau, den man später bezog.
Dies und der Umstand, dass viele Bewohner des Kiezes bereits seit Jahrzehnten dort wohnen, erklärt wohl auch das riesige Interesse und die große Erregung, die die Pläne von Senat und Bezirk bei den Betroffenen erzeugten.
 

Berliner Regierungsbeamtin „kämpft“ für Nichtberliner, Stadtrat erfindet „sechsspurige Autobahn“…

06Die anwesenden Vertreter von Landes- und Bezirksverwaltung agierten an diesem Abend nicht eben übezeugend.
Zwar verzichtete Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchenr diesmal auf seinen durch die Medien gegangenen Satz, es gäbe kein Menschrecht auf einen Parkplatz vor der Haustür – doch die Spitze gegen die Wohnungspaugenossenschaft, die es sich offenbar leisten könne, wertvolles potenzielles Bauland als Parkplatz zu nutzen, konnte er sich dann doch nicht verkneifen. Und musste so vor versammelter Mannschaft darüber aufgeklärt werden, dass das die Wohnanlage einst als autofreies Wohngebiet konzipirt wurde und sich die Stellplätze

37adaher am Rand des Kiezes befinden – mitnichten also vor der Haustür der Bewohner.
Auch sein an die (Kirchen-)Wand gemaltes Schreckensszena-
rio (das manch einer der Anwohner gar nicht so schrecklich fand), wenn im Michelangelokiez keine Wohnhäuser errichtet werden, würde der Senat dort eine sechsspurige Autobahn bauen, war bei näherem Hinsehen eine Schimähre. Denn in den A-100-Planungen des Senatskommt überhaupt keine sechspurige Autobahnbahn vor – die Michelangelostraße ist als vierspruriger „“Auslauf“ der A 100 vorgesehen – egal, ob da Wohnungen gebaut werden oder nicht.

002Auch regula Lüscher, Senatsbaudirektorin im Staatssekretärs-
rang, machte nicht wirklich eine gute Figur.
Nicht nur, dass sie – obwohl sie es besser wissen dürfte – Kirchners Autobahnphantasien nicht korrigierte. Auf die Frage, ob und warum viele Bäume den Bauplänen geopfert werden sollen, hatte sie lediglich die Antwort „Viele Bäume werden fallen – und viele Bäume werden bleiben“ parat. Und füre die Biowiesen würde man möglicherweise irgendwo Ersatz schaffen. Es sei eben ein „Zielkonflikt“. Offensichtlich war es der Staatssekretärin für den Moment entfallen, dass sie über einen Stadtteil sprach, der selbst nach Senatsvorgaben als mit Grünanlagen chronisch unterversorgt gilt.

003Noch mehr irritierte Regula Lüschers Aussage, dass sie sich als Berliner Regierungsbeamtin vor allem den Nichtberlinern verpflichtet fühle. „Ich finde es gut, dass Sie für Ihre Interes-
sen kämpfen. Und ich kämpfe für die Interessen derjenigen, die noch nicht hier wohnen.“ Halblauter Kommentar eines Anwohners: „Wenn die für die Interessen der Hamburjer kämpft, muss ick mir denn für meine Interessen an den Ham-
burjer Senat wenden? Oder besser doch an den Bürjermeesta von Paris?“

Interessant war auch, wie unterschiedlich wie die Aussagen zu den künftigen Bauherren waren. Sprach Bezirksstadtrat Jens-Haolger Kirchner bei der Sondersitzung des Pankower Ausschusses für Stadtentwicklung nochvon einem „Mix, zu der auch ein geringer Anteil an Eigentumswohnungen gehöre, war seine Aussage vor den Anwohnern diesmal: Keine Eigentumswohnungen. Im Interview mit der Berliner Abendschau hingegen sprach er von einem Eigentumswohnungenanteil von zehn Prozent. In der selben Sendung schloss Senatsbaudirektorin Lüscher jeglichen Bau von Wohneigentum aus…

Das Fazit der Anwohner war am Ende ziemlich einhellig: Sollten die Neubaupläne verwirklicht werdren, hätten die Anwohner davon nur Nachteile. Da half es auch nichts, dass sowohl Regula Lüscherm als auch Jens-Holger Kirchner das eine ums andere mal beteuerten, man stünde ja noch ganz am Anfang, nicht sei endgültig beschlossen – und gebaut werde sowieso nicht vor 2019.

 

Impressionen

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6 Kommentare zu “Bürgerversammlung Michelangelostraße:Tausendmal NEIN”

  1. Horst

    Apr 10. 2015

    Das das Viertel an der Michelangelostraße mit Grünflächen unterversorgt wäre, ist doch Unsinn. Volkspark Prenzlauer Berg, Friedhof Weissensee, Anton-Saefkow-Park und nicht zuletzt die weitläufigen grünen Innenbereiche der Siedlung (die nicht nachverdichted werden sollen) sind locker zu Fuß zu erreichen. Ökologisch ist am Erhalt der Pappeln und des Abstandgrüns nichts. Wieviele von den Anwohnern oder deren Eltern sind selbst mal nach Berlin gekommen? Berlin war schon immer eine Ankunftsstadt.

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  2. Amarino

    Apr 11. 2015

    Ich kenne die Gegend sehe gut und kann mich dem vor mir nur anschließen. Grünflächen sind auch danach noch genügend vorhanden. Es ist nur mal eine City-Lage und da muss man damit rechnen, das es irgend wann enger verbaut wird. Alle heulen rum das es kaum Wohnungen gibt (habe es letztens beim suchen einer neuen Wohnung sehr stark gemerkt) und dann beschweren sich die alt eingesessenen Anwohner wenn der Staat man ein ausnahmsweise guten Vorschlag unterbreitet. Es hat einfach was damit zutun, dass die ältere Generation sich nicht mit Veränderungen abfinden kann, aber das muss nur mal bei einer wachsenden Stadt passieren, sonst bekommen wir „durchschnittsberliner“ in unserer eigenen Stadt irgend wann nirgendwo mehr eine Wohnung!!!

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    • Hans Schneider

      Apr 12. 2015

      Wenn Sie in dem alter sind und barrierefreie Wohnungen suchen, dann sind Sie richtig in dem neuen Wohnbauprojekt. Wenn nicht, dann werden Sie auch hier keine Wohnung finden, da diese „überwiegend“ für ältere Menschen gebaut werden sollen, die aus ihren Wohnungen rausziehen müssen, damit sie in Eigentumswohnungen umgewandelt werden können. Das als guten Vorschlag zu bezeichnen finde ich nicht objektiv.

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  3. Jan Schrecker Piratenfraktion Pankow

    Apr 19. 2015

    Ich habe mir mit meinem Kollegen auch die Veranstaltung angeschaut und aufmerksam verfolgt. Sicherlich werden wir es bei der Bebauung nicht jedem recht machen können und es werden viele Menschen die jetzt schon dort wohnen Einschnitte hinnehmen müssen. Viele sprachen sich generell gegen eine Bebauung aus. Die werden wir sicherlich enttäuschen müssen. Das gebaut werden soll ist von Seiten aller BVV Fraktionen klar. Die Frage wie, wieviel, wo, und wer, werden die interessanten Fragen sein. Ich habe deshalb einige Fragen die bei der Diskussion aufkamen, als Kleine Anfrage an das Bezirksamt gestellt.

    http://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/ka020.asp

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  4. Leben! an der Michelangelostrasse

    Apr 24. 2015

    Herr Schrecker,
    endlich ein Abgeordneter der der wirklich Stellung nimmt.
    Dieses „Nein“ habe Sie wie so viele Abgeordnete bzw. Medienvertreter falsch gedeutet. Wir sind nicht gegen die Bebauung sondern wie wir mitgenommen werden bei diesen Prozess und wie maßvoll die Bebauung sein soll.
    Am 31.12.2014 erscheint zum ersten Mal öffentlich (per Zeitung) das bei uns gebaut wird. Super an einen Tag wo die meisten Menschen an vieles denken nur nicht an Politik bzw. was vor der Haustür passiert!!
    Leider funktioniert ihr Link nicht, wie so vieles bei der Information bei den Betroffenen.
    Es gab bis jetzt ca. 4 Veranstaltungen und es kommen immer die gleichen Todschlagargumente von den Politikern, keiner auch aus Ihrer Fraktion scheint sich wirklich der Problematik anzunehmen, von Kompromiss wie Frau Lüscher sprach sind wir meilenweit entfernt, was wurde denn auf die Einwände der Anwohner gebracht, nichts!!! immer die gleichen Stereotypen Antworten!!!
    Wann endlich treten wir in einen Dialog auf Augenhöhe und werden wir ernstgenommen!!! Ich würde mich sehr freuen wenn wir uns treffen könnten, zum Meinungsaustausch!

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