Parade der Städtebauförderung

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In Russland wurde am 9. Mai der Tag des Sieges begangen – in Berlin der Tag der Städtebauförderung. In Moskau gab’s in Anwesenheit des Präsidenten eine große Parade mit allerlei teurem Militärgerät – in Pankow bei Abwesenheit des Stadtrates eine Führung zu den mit viel Geld geförderten städtebaulichen Highlights. Und während auf dem Roten Platz Tausende den Paradierenden zuwinkten, waren bei den Führungen hinnieden nur einige…
 
Also Prenzlauer Berg.
 
Der Eliashof in der Senefelderstraße stand als erstes auf dem Besichtigungsprogramm. Ein Ort, der ein bisschen symbolisch für die Pankower Politik zu stehen scheint. Bis kurz nach der Jahrtausendwende befand sich hier die „Struwwelpeter-Grundschule“.

03 Wegen sinkender Schülerzahlen – und hoch verlässlicher Prognosen, dass dies auch so bliebe – wurde der Schulstandort aufgegeben und dort ein Kinder- und Jugend-Kulturzentrum aufgebaut. Kostenpunkt 2,7 Millionen Euro – darunter auch EU-Mittel, die explizit zur Errichtung des Kulturstandortes ausgereicht wurden.
Nur rund fünf Jahre später die Rolle rückwärts. Steigende Schülerzahlen brachten die Prenzlauer Berger Schulen in akute Raumnot, das Kulturzentrum wurde aufgelöst und seit 2010 befindet sich am Ort nun wieder eine Grundschule. Nein, so die Auskunft einer Mitarbeiterin des Sanierungsträgers

04S.T.E.R.N., Mehrkosten hätte des Hin und Her eigentlich nicht verursacht – außer vielleicht bei der Turnhalle, die zwischenzeitlich zu einem Ballettsaal umgebaut wurde und nun wieder als Turnhalle… . Und möglicherweise mussten einige projektgebundene Fördergelder zurückerstattet…
Ansonsten aber sei die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudekomplexes unabhängig von der jeweiligen Nutzung erfolgt: Toiletten, Heizung, Fassaden.
Geblieben ist dem Eliashof von der ganzen Kultur eine Filiale der Pankower Musikschule Béla Bartók, die am Nachmittag des Tages zeigte, dass man aus einer Turnhalle durchaus auch eine Tonhalle machen und dort auch Konterte veranstalten kann.
 

Friedhofsruhe versus Kinderlärm

05Einen Nutzungskonflikt gibt es auf dem Friedhofspark an der Pappelallee, und der hat – auch – mit der Geschichte des Gottesackers zu tun.
Der Friedhof wurde im Jahr 1848 von der drei Jahre zuvor gegründeten Freireligiöse Gemeinde angelegt. Bekannte Berliner haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie etwa die Frauenrechtlerin Agnes Wabnmitz oder der Erfinder der Stenographie Heinrich Roller.

Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nazis wurde die Gemeinde 1933 enteignet. Da sie sich nach 1945 in der DDR

06nicht neu gründete, verblieb das Grundstück bis über die Zeit der deutschen Vereinigung hinaus im Besitz der öffentlichen Hand.
Nach der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeit von zwanzig Jahren – die letzte Bestattung fand hier 1970 statt – wurde das Gelände zu einem öffentlichen Friedhofspark umgestaltet. Und wie wohl jeder Park in der Gegend erhielt auch der in der Pappelallee einen Kinderspielplatz. Im Jahr 1998 erfolgte die Rückübertragung an die nun wieder in Prenzlauer Berg aktive Freireligiöse Gemeinde – aber eben nicht mehr als Friedhof, sondern als öffentliche Parkanlage.

07Während der Bezirk ein nachvollziehbares Interesse daran hat, Spielplatz und Park als solchen zu erhalten, hat die Freireligiöse Gemeinde ein ebenso nachvollziehbares In-
teresse daran, den einstigen Friedhof als Teil ihrer Geschich-
te zu erhalten und den Friedhofscharakter des Areals zu betonen. Und der verträgt sich eben nicht mit nur spärlich bekleideten Sonnenanbetern auf den Wiesen und fröhlich lärmenden, umhertobenden Kindern…
Verhandelt wird über die künftige Gestaltung des Areals schon seit längerem – aber wo zum Beispiel sollen die Kinder der umliegenden Kitas hin?
Auch wenn der gleich gegenüber liegende Spielplatz an der Pappelallee 74/75 für 130.000 Euro so ausgerüstet wurde, dass er nun auch für Kleinkinder attraktiv ist – in einem Stadtteil, in dem fast jede Lücke zugebaut wird und in dem immer mehr Familien mit Kindern wohnen, ist jede kleine Spielecke unverzichtbar.

 

Schatzsuche auf qualifiziertem Helmholzplatz

10Hier war nun wirklich Party angesagt. Das neue Spielschiff hatten König Unsichtbar und seine Band geentert – und als der Tross des Bezirksamtes (ohne den Stadtrat) endlich eingetroffen war, gings dann auch gleich los: Piratenlieder und eine Schatzsuche auf dem übervollen Spielplatz – die Kinder hatten ihren Spaß.
So voll wie an diesem Tag ist der großdimensionierte Abenteuersandkasten übrigens zumeist auch dann, wenn nicht gerade offizielle Einweihung gefeiert wird. Kinder bestimmen halt das Gesicht des Kiezes. Da sind die 225.000 Euro, die für Neugestaltung des westlichen Spielbereiches sowie der „Qualifizierung“ (was immer das in diesem Zusammenhang heißen mag) des Bereiches am Bolzplatz eine gute Investition.

 

Eröffnetes nochmal eröffnet

„Ein Haus für den Platz! – Fest mit Platzhauseröffnung“ hieß es für den Programmpunkt Humannplatz. Und das waren nun gleich zwei Rätsel in einer Ankündigung.
11Platzhaus, fragte sich der Ortskundige, wo sollte das stehen? Gestern jedenfalls war noch keines da. Aber manchmal wird ja ein Bautempo vorgelegt…
Bis sich herausstellte, dass damit die zum „Café Bornträger“ umgebaute ehemalige Bedürfnisanstalt gemeint war. Das aber ist schon etwas länger in Betrieb, nämlich seit Anfang April.

Aber Programm ist Programm – und also wurde das kleine Kaffeehäuschen mit einer offiziellen Rede einfach nochmal eröffnet.

Das zweite Rätsel: Wo war das Fest?

Zwar stand am Eingang direkt neben dem Café ein mit Kreide auf dem Weg gemalter Willkommensgruß und rechts und links davon gab eine kleine Poster-Präsentation der benachbarten Wilhelm-von-Humboldt-Schule. Aber ein. fest? Die Suche danach brach der Autor nach rund einer Stunde ab – es muss sich um eine für Außenstehende nicht zu erkennende Geheimparty gehandelt haben…

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