„Keine Konsum-Demokratie“

konsumdemokratie

 

Die innere Zerstrittenheit war über Jahre eine Art Markenzeichen der Pankower SPD. Mit dem neuen Kreisvorsitzenden Knut Lambertin soll sich das nun ändern. Auf dem bei den Sozialdemokraten „Kreisdelegiertenversammlung“ genannten Kreisparteitag brachte der Vorstand unter Lambertins Vorsitz ein Papier durch, das die innerparteilichen Konflikte mittels basisdemokratischer Elemente befrieden soll. Die Prenzlberger Stimme sprach mit dem Pankower SPD-Chef.

 

Titel3bHerr Lambertin, Sie sind nun seit zwei Monaten Kreisvorsitzender der Pankower SPD – sind Sie immer noch der Meinung, es wäre besser gewesen, ohne einen Vorsitzenden in das Wahlkampfjahr 2016 zu ziehen?


Lambertin 60
Dieser Meinung war ich nie.Ich fand nur, dass wir Dringenderes zu tun haben, als Personalauseinandersetzungen. Aber da das von einigen nicht akzeptiert wurde, war es richtig, diese Personalentscheidung herbeizuführen.

Titel3bNun haben Sie heute Ihre erste Kreisdelegiertenkonfernz als Pankower SPD-Vorsitzender absolviert. Es wurde zwar zum Teil kontrovers diskutiert, am Ende konnten Sie und der Kreísvorstand sich in der Hauptsache durchsetzen. Worum ging es dabei?


Lambertin 60
Die Hauptpunkte sind, dass wir möglichst viele Abteilungen mit ihrer Kiezverankerung dann auch im Parlament vertreten sehen wollen und dass die Bürgerinnen und Bürger dann auch Leute wählen können, die sie vor Ort kennen.

Titel3bOffensichtlich trauen einige Abteilungen dem Frieden nicht so ganz, warum sonst wurde während der Diskussion immer wieder auf darauf bestanden, dass die Abteilungen über die Kandidaten entscheiden sollen?


Lambertin 60
Das können die Mitglieder auch weiterhin entscheiden. Es ist nur so, dass eine Abteilung mit vielen Mitglieder jetzt nicht einer Nachbarabteilung mit wenig Mitgliedern aufzwingen kann, wen sie zu nominieren hat.

Titel3bTatsächlich drängt sich der Eindruck auf, dass da zwischen den Parteigliederungen ein nicht zu übersehenes Misstrauen herrscht; eine Angst von anderen Abteilungen dominiert zu werden. Woher kommen diese Befürchtungen?


Lambertin 60
Wir hatten vor einigen Jahren bei der Kandidatenaufstellung einen Fehler gemacht...

titel1aAls sich der damalige Vorsitzende gegen den Willen der betreffenden Abteilungen quasi selbst nominierte…


Lambertin 60
...aber wir haben daraus gelernt. Das soll sich nicht wiederholen. Wir wollen das weitestgehend unmöglich machen.

Titel3bAllerdings gab es auch Widerstände gegen allzu viel Basisdemokratie. Sie selbst hatten gegen eine Briefwahl bei der Kandidatennominierung gestimmt und bei dem knappen Votum die entscheidende Gegenstimme dazu eingebracht. Was haben Sie gegen eine Briefwahl?


Lambertin 60
Ich gehe davon aus, dass eine Partei, die davon lebt, dass sich die Leute beteiligen, sich engagiert beteiligen, so etwas wie Konsum-Demokratie nicht mitmachen kann.

titel1aKonsum-Demokratie…?


Lambertin 60
Konsum-Demokratie ist, wenn ich mir nicht einmal mehr anhören muss, wer kandidiert. Wir haben hier leider nicht das großflächige Medienangebot wie auf Landes- oder Bundesebene, wo es sehr viel Berichterstattung über die Kandidaten gibt. Und ich bezweifle, dass es selbst unseren engagierten Lokaljournalisten im Bezirk gelingt, 380.000 Menschen oder zumindest alle 18.000 SPD-Mitglieder zu erreichen. Deshalb wäre es der falsche Weg, es zu ermöglichen, dass Leute, ohne sich die Kandidaten anzuschauen, einfach abstimmen können.

Titel3bSie selbst hatte ja verbindlich erklärt, bei den nächsten Wahlen 2016 nicht als Kandidat zur Verfügung zu stehen. Wie sieht es denn mit den Wahlen im Jahr 2017 aus – jenen zum Deutschen Bundestag?

Lambertin 60
Ich gehe davon aus, dass sich diese Frage nicht stellt, weil wir einen Bundestagsabgeordneten haben, der auch seine Arbeit gut macht.

 


Lambertin150Knut Lambertin ist seit dem 17. April Kreisvorsitzender der SPD Pankow. Der hauptberufliche Gewerkschaftsmitarbeiter setzte sich bei einer Mitgliederabstimmung gegen seine Konkurrentein Clara West durch und wurde so Nachfolger des aus beruflichen Gründen zurückgetretenen langjährigen SPD-Kreis-Chefs Alexander Götz.

 

 

 

 

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