Einmal im Jahr trifft sich die Pankower Bezirkspolitik zu einer „Außerordentliche Tagung der Pankower Bezirksverordnetenversammlung zu seniorenpolitischen Fragen und Themen“, kurz „Senioren-BVV“ genannt, um unter Mitwirkung der Betroffenen die ganz speziellen Themen der älteren Generation zu thematisieren.
Aber was heißt schon „spezielle Probleme“? Die Senioren-BVV vom vergangenen Mittwoch zeigte, dass nicht wenige Sorgen, Nöte und Wünsche weitgehend generationsübergreifend sind.
Die Hauptsorgen der Generation 65plus drehen sich – nimmt man die Anfragen als Maßstab – um bezahlbares Wohnen, um die Folgen des im Vergleich mit anderen Bezirken unverhältnismäßig umfangreichen – aber von der Bezirkspolitik begrüßten – Bevölkerungswachstums durch Zuzug und dem daraus entstehenden Mangel an sozialer Infrastruktur.
So musste Sozialstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz bei der Frage nach weiteren Seniorenbegegnungsstätten passen – dem Bezirk fehle es an den dafür nötigen finanziellen Mitteln. Aber immerhin: In Weißensee soll eine neue Pflegestation eröffnet werden.
Der Umzug der Begegnungsstätte Breite Straße in den leerstehenden und noch auszubauenden Seitenflügel des Stadtteilzentrums in der Schönholzer Straße werde aber bis zum Ende des Jahres erfolgen – wenn die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung endlich die entsprechenden Bauunterlagen bestätigt hat.
Dass die derzeit in der Sanierung befindliche Schwimmhalle an der Thomas-Mann-Straße auch nach ihrer Wiedereröffnung nur für das Schul- und Vereinsschwimmen vorgehalten wird, begründete Stadträtin Zürn-Kasztantowicz mit dem enormen Zuzug von Familien mit Kindern in den Bezirk. Der sei so stark, dass man jährlich eine komplette neue Grundschule benötige. Da die Halle neben dem Schulschwimmen auch dem Vereinssport zur Verfügung stehe, werde sie von 6 bis 22 Uhr voll belegt sein. Als Alternative stehe aber die Schwimmhalle im Thälmannpark zu Verfügung, die ja nur fünfzehn Gehminuten entfernt liege.
Großer Bedarf an altersgerechten Wohnungen
Voll belegt sind auch die sogenannten altersgerechten Wohnungen. Ganze 456 gibt es davon laut Lioba Zürn-Kasztantowicz bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften – im Bezirk leben aber derzeit rund 60.000 Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Doris Fiebig, Vorsitzende der Pankower Seniorenvertretung, rechnete dern Bezirkspolitikern dann kurz mal vor, dass dies nicht einmal der berühmte Tropfen auf den heißen Stein ist. Eine nur in einem Stadteil gestartete Umfrage ergab einen Bedarf von 1.745 solcher Wohnungen. Doris Fiebig: „Dann habe ich aufgehört zu zählen.“
Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner ließ diese Vorlage nicht an sich vorbeigehen und berichtete, dass für das 1.500-Wohnungen-Projekt an der Michelangelostraße auch Bauträger zum Zuge kommen sollen, die solche Wohneinheiten anbieten.
Das war aber auch schon das einzig Konkrete, dass er zu Fragen bezüglich des geplanten Wohngebietes beisteuerte. Weder zu einem möglichen verstärkten Verkehrsaufkommen noch zu einer befürchteten Verschattung der Bestandsbauten durch die neu zu errichtenden Häuser konnte er Auskunft geben: Dazu lägen noch keine Untersuchungen vor.
Dafür konnte er die frohe Kunde verbreiten, dass das Bezirksamt gerade eben einen Schwung voll neuer Straßenbänke gekauft hat und die Ausstattung ebenerdiger Fahrstuhlzugänge bei Neubauten in der Berliner Bauordnung festgeschrieben ist.
Mit der besseren Reinigung der Grünanlagen hingegen wird das so schnell nichts, denn noch verhandeln Bezirke und Senat darüber, wie das alles neu organisiert und finanziert werden kann.
Seniorenticket ab 63
Auch das Dauerthema „Pankower Tor“, jenem sich ewig hinziehenden Gewürge um das Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofes Pankow, auf dem Möbelhandelsmogul Kurt Krieger ein Wohngebiet, zwei Möbelhäuser und ein Einkaufszentrum errichten will, war für die Senioren von Interesse.
Neues zu vermelden hatte der Bezirksstadtrat dazu aber nicht: Noch immer gäbe es keine offizielle Entscheidung über die in den Senatsplänen vorgesehene „Planstraße Ost West“ (POW). Sollte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung darauf nicht verzichten, wäre das Krieger-Vorhaben gestorben.
Einen Erfolg konnte die Seniorenunion der CDU für sich verbuchen. In einem Antrag wurde das Bezirksamt gebeten, sich dafür einzusetzen, dass das „VBB-Abo 65plus“ für Bus und Bahn künftig auch für Menschen zu Verfügung steht, die bereits mit 63 Jahren in Rente gehen. Nachdem die SPD mit einem Änderungsantrag sowie und der damit verbundenen Antrag auf die Überweisung in den Sozialausschuss scheiterte, stimmte die Mehrheit der Bezirksverordneten für den Antrag mit den Änderungen der SPD Fraktion. Der Beschluss lautete nun: „Dem Bezirksamt wird empfohlen, sich beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg dafür einzusetzen, dass das VBB-Abo 65 plus auf alle Erwerbsminderungs- und Altersrentenempfänger_innen ausgeweitet wird.“
Nachdem die Tagung beendet war, wurden die Anwesenden wie in jedem Jahr zu einem kleinen Buffet geladen: Häppchen und bunte Getränke. „Alkoholfrei“ und „für Diabetiker geeignet“, wie auf den Schildchen über den Gläsern zu lesen war.
Update:In einer vorangegengenen Fassung des Artikels war der Teil über die Abstimmung „VBB-Abo 65plus“ offensichtlich missverständlich formuliert, so dass jener Abschnitt nach dem Hinweis eines Lesers (siehe Kommentar unten) konkretisiert wurde.





Tom
Juni 26. 2015
Herr Kampmann,
wenn man nicht aufmerksam zuhört, sollte man im Anschluss nicht darüber schreiben. Die Änderung der SPD zum Antrag „VBB-Abo 65plus“ wurde durch die BVV angenommen. Hier nachzuverfolgen: http://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp
Einen Überweisungsantrag hat die SPD nicht gestellt, sondern die CDU. Diese Überweisung wurde durch die BVV abgelehnt.
LZK
Juni 26. 2015
Leider sind Ihnen auch eine weitere Fehler unterlaufen. Nicht zugehört, schlampig wiedergegeben.
von ODK
Juni 26. 2015
Welche? Bin gern bereit, da, wo etwas missverständlich oder gar fehlerhaft widergegeben ist, zu korrigieren.