Die Aufsteller waren beim Besuch der Prenzlberger Stimme im Welcome Center Pankow zwar noch in die richtige Position zu bringen, Infomaterial aufzufüllen und ein paar andere Kleinigkeiten für den „Tag der offenen Tür“vorzubereiten – doch arbeitsbereit ist das „Welcome Center“ des Arbeiterwohlfahrt (AWO) schon seit einer Woche.
Das „Welcome Center“ ist eine Beratungsstelle für Menschen, die aus dem Ausland kommen und sich in Berlin niederlassen. Sechs solcher Informationszentren betreibt AWO bereits in Berlin, weitere werden von anderen Wohlfahrtsverbänden betrieben.
„Es ist das erste Mal, dass wir mit einer solche Beratungsstelle in einem Bezirksamt präsent sind“, erzählt Anke-Otter Beaujean (Foto Mitte) vom Referat Jugend, Migration und Beratungsdienste der AWO Berlin. Sie verspricht sich davon Synergieeffekte – denn zum einen findet zumindest für EU-Bürger der erste Kontakt mit deutschen Behörden zumeist in einem Bürgeramt statt. Zum Anderen beziehen sich nicht wenige Fragen von Migranten auf den Umgang mit Ämtern und Behörden. „Wir haben auch vor, zwei Etagen unter uns im Bürgeramt einen kleinen Stand einzurichten“.
Mehr als die Hälfte der Neu-Pankower sind Ausländer
Es ist fast schon ein wenig erstaunlich, dass in Pankow erst jetzt eine solche Beratungsstelle eröffnet wurde, schließlich wächst die Einwohnerzahl des Bezirks auch deshalb so rasant, weil viele Menschen aus anderen Ländern nach in den Bezirk ziehen. Jeder zweite Zuzügler nach Pankow, so fand eine Anfang dieses Jahre erschienene Studie heraus, kommt aus dem europäischen Ausland. Vorn stehen aus Spanien, Polen und Italien. Viele kopmmen, weil sie sich hier bessere beufliche Perspektiven versprechen. Doch wer sich nur ein wenig genauer umsieht und -hört, wird feststellen, dass sich unter den (Neu-)Pankowern nicht nur gebürtige Europäer befinden.
Das Angebot der Beratungsstelle richtet sich an alle Migranten, deren Aufenthaltsstatus für mindstens drei Jahre gesichert ist. Die Beratung erfolgt auf Deutsch, Englisch, Polnisch, Spanisch und Arabisch. Doch auch bei anderen Sprachen kann geholfen werden. Anke-Otter Beaujean: „So, wie die Beratungsstelle in der Fröbelstraße nicht nur für nach Pankow Gezogene offen steht, so sind auch die anderen Anlaufstellen in der Stadt für Migranten aus ganz Berlin da.“ Wird zum Beispiel Rat in vietnamesicher oder französischer Sprache benötigt, so werden die Hilfesuchenden an Beratungsstellen mit den entsprechenden Sprachkenntnisse vermittelt.
Erfahrungsgemäß besteht der größte Beratungsbedarf in den Bereichen Behördenumgang, Arbeit und Soziales.
„In anderen Bezirken haben wir bereits gute Kontakte zu den Integrationsbeauftragten der Jobcenter“, erklärt Anke-Otter Beaujean. „Hier in Pankow streben wir ebenfalls kurzfristig eine Zusammenarbeit mit den Arbeitsvermittlern an.“
Doch auch vor Gefahren soll gewarnt werden – etwa vor unseriöse Geschäftemachern, die sich die Unerfahrenheit der Neuen mit dem deutschen Arbeitsrecht rechtswidrig zu Nutze machen wollen. „Wir arbeiten mit dem DGB zusammen, um solchen Fällen von Ausbeutung zu begegnen“, so Anke-Otter Beaujean.
Finanziert wird die beratung übrigens durch ein Bundesprogramm, das im Herbst 2014 aufgestockt wurde. In Berlin konnten die Wohlfahrtsverbände dadurch neun neue Stellen für die Migrantenberatung schaffen. Zwei davon hat die AWO für das „Welcome Center“ in der Fröbelstraße bereitgestellt.
Am heutigen Mittwoch lädt die AWO zu einem Tag der offenen Tür im Bezirksamt Pankow ein. Gegen 12 Uhr wird Bezirksbürgermeister Köhne gemeinsam mit dem Geschäftsführer der AWO, Hans-Wilhelm Pollmann, das Welcome Center dann offiziell eröffnen. Bis 15 Uhr findet dann ein „Tag der Offenen Tür“ statt.

Welcome Center Pankow
Wo? Bezirksamt Pankow, Fröbelstraße 17, Haus 6, in den Räumen 3.33 und 3.34 in der dritte Etage.
Wann? Dienstag 10 bis 12 Uhr, Donnerstag 14 bis 16 Uhr – weitere Termine nach Vereinbarung
Telefon: 030 90295 – 5927, 5928


