Kleines Festival mit Strahlkraft

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Gestern Abend ging im Kino in der Brotfabrik am Caligariplatz das Uranium Film Festival zu Ende. Seit dem 26. September wurden dort 33 Filme aus 16 Ländern in fünf Kontinenten gezeigt. Das übergreifende Thema: Atomwaffen, Kernkraft – und der Stoff, mit dem der Mensch die Kernkraft entfesselt hat: Uran.

Stanilaw Petrow Quelle: „The Man Who Saved The World“

Stanilaw Petrow – Quelle: „The Man Who Saved The World“

So wurde zum Autakt der Peter Anthonys Streifen „The Man Who Saved The World“ aufgeführt, ein Dokumentarfilm über den einstigen sowjetischen Oberst Stanislav Petrow, der 1983 durch seine persönliche Entscheidung – oder korrekter: Nichtentscheidung – einen Atomkrieg verhindert hatte.
Auch „The Red Button“der polnischen Filmemacher Ewa Pieta und Miroslaw Grubek nahmen sich dieser unglaublichen Geschichte an: Stanilslaw Petrow versah seinen Dienst in der Zentrale des sowjetischen satellitengestützen Raketenwarnsystems „Oko“. Am 25. September 1983 zeigte das System den Start von fünf anerikanischen Atomraketen in Richtung Sowjetunion an. Petrow hätte nun den Gegenschlag auslösen müssen. Er tat es nicht. Wie sich danach herausstellte, beruhte die die Warnung des Systems auf einen Computerfehler…
 

Filme vom Rande des Abgrunds

Es war nicht das erste Mal, dass die Welt am Rande einer nuklearen Katastrophe stand. Der Animationsfilm „Amalia“ des us-amerikanischen Regisseurs David Harrison nimmt die Kuba-Krise als Ausgangspunkt seiner Geschichte: Die die in den USA lebende Kubanerin Amalia ist gezwungen sich ihrer Vergangenheit zu stellen, als Gäste eintreffen und behaupten, dass Kuba zerstört ist.
Hintergrund des Plots ist der gefährlichsten Tag der jener Krise. An jenem 27. Oktober 1962 stand die Welt so dicht vor einem atomaren Weltkrieg wie nie zuvor: die Sowjetunion hatte auf der Karibikinsel mit der Stationierung von Atomraketen begonnen, die USA versuchen, die Russen zurückzudrängen, ein sowjetisches U-Boot wird mittels Granatenbeschuss zum Auftauchen gezwungen, ein amerikanischen U-2-Spionageflugzeug über der Insel abgeschossen und die US-Armee befindet sich bereits seit einem Tag in der Defense Condition 2, der höchsten Alarmbereitschaft der Streitkräfte unterhalb eines Krieges…

 Praved Krishnapilla - Foto: Jutta Wunderlich

Praved Krishnapilla – Foto: Jutta Wunderlich

In seinem Dokumentarfilm „Nuclear Lies“ reiste der indische Regisseur Praved Krishnapilla zu den verschiedenen Standorten der Atomindustrie seines Heimatlandes – vom Uranbergbaugebiet bis zu den neuen Atomkraftstandorten und zeigt die furchtbaren Missstände sowie Lügen und Propaganda der Atomlobby auf.

Die Dokumentation „Operación Flecha Rota. Accidente Nuclear en Palomares“ des Spaniers Jose Herrera Plaza beschäftigte sich mit seinem 2007 gedrehten Film mit den Folgen des Absturzes einer mit vier Wasserstoffbomben bestückten B-52 vor der spanischen Südküste, weitere Filme – unter anderem aus Deutschland, Vietnam, Irland, Australien, Tadschikistan und Japan – beschäftigten sich mit den Spätfolgen der Katastrophe von Tschernobyl, den Zuständen im Uranbergbau oder die Verquickung von Atomkraftwerksbetreibern mit der Mafia bei der illegalen Entsorgung radiaoaktiver Abfälle.

 

Von Rio nach Pankow

Seinen Ursprung hat das Uranium Film Festival in Rio de Janeiro. Organisiert wird es von Norbert Suchanek und Marcia Gomes de Oliveira.
Ein erster Auslöser dafür war die Ankündigung des damaligen Brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio „Lula“ da Silva im Jahr 2007, das mit dem Ende der Militärdiktatur eingemottete brasilianische Atomprogramm wiederzubeleben. Gomes de Oliveira und Suchanek drehten 2008 gemeinsam den Kurzfilm „The Speech of the Chief“ über das Leben des Mbyá-Stammes in Brasilien, auf deren Land die bisher einzigen Kernkraftmeiler Angra 1 und 2 errichtet wurden.

Norbert Suchanek

Norbert Suchanek

Als 2010 dann mit dem Bau von Angra 3 begonnen wurde und Präsident Lula ankündigte, 40 oder 50 KKWs in Brasilien bauen zu lassen, wollten Marcia Gomes de Oliveira und Norbert Suchanek daran das eine Filmschau in Rio auf die Beine zustellen, dass das Thema Kernkraft in vielen Facetten beleuchten sollte.
Unterstützt wurden sie dabei von der brasilianischen Dependence der grünennahen Heinrich-Böll-Stiftung.
Kurz vor dem Start vor des ersten Festivals im Jahr 2011 ereignete sich dann die Nuklearkatastrophe in Fukushima – das Thema des Festival hatte plötzlich einen ungeahnte aktuellen Bezug erhalten.

„Wir wollten das Festival von Anfang an auch außerhalb Brasiliens veranstalten“, erzählt Jürgen Suchanek. Eine entsprechende Notiz auf einer Website brachte zahlreiche Einladungen. Doch bei vielen mangelte es schlicht an den finanziellen Mitteln. Dennoch konnte das festival mittlerweile bereits in Portugal, Indien, USA, Mexiko, Kanada und Japan Station machen.

In Deutschland war „Uranium“ in diesem Jahr das zweite Mal zu Gast. Organisiert wurde das von Jutta Wunderlich. Die Regieassistentin und Disponentin hatte 2014 das Festival in Rio erlebt und wollte es nach Berlin holen. Noch im selben Jahr gab es die erste Auflage im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz, diesmal nun war die Brotfabrik der Festspielort.
Der Rahmen mutete bescheiden an, denn auch hier waren die finanziellen Mittel überschaubar. Vielleicht gelingt es ja im kommenden Jahr, zahlungskräftige Sponsoren zu überzeugen, das Uranium Felm Fest zu unterstützen.

 



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